Riederalp · Wallis · Schweiz
Hauschronik

Hundert Jahre auf der Riederalp.

Ein kurzer Bericht in drei Kapiteln, für alle, die wissen möchten, in welches Haus sie eintreten, bevor sie es betreten.

01Erstes Kapitel · 1923–1948

Anton baut. Marie führt.

Anton Imboden war Schreiner. Im Frühjahr 1923 stand auf der Lichtung über Riederalp nur eine kleine Sennhütte, halb verfallen. Anton kaufte das Stück für 600 Franken, schlug Arven, sägte sie im Tal, trug die Balken zurück. Im Spätsommer stand das Haus, ohne Strom, ohne fliessendes Wasser, mit einem Kachelofen aus Brig. Marie führte die Wirtschaft.

Die ersten Gäste kamen aus dem Berner Oberland, Bergsteiger, die für die Konkordiahütte Quartier suchten. Bezahlt wurde mit Fünflibern und gelegentlich mit einem Schinken. Im Winter 1948 starb Anton. Marie führte das Haus allein bis 1962.

02Zweites Kapitel · 1962–1995

Hans und Trudi. Strom kommt aufs Haus.

1962 übernahm der Sohn Hans, gemeinsam mit seiner Frau Trudi aus Naters. Sie liessen das Haus 1967 elektrifizieren, bauten 1972 die zwei oberen Stuben aus, und führten 1981 das erste Telefon ein. Trudi kochte. Hans pflegte das Holz. Beide schrieben jeden Abend ins Hausbuch, was an dem Tag geschehen war.

1987 wurde das Schieferdach durch ein neues ersetzt. 1995 ging Hans in Ruhestand. In dem Jahr, in dem das Haus erstmals einen Webauftritt bekommen hätte, wenn man so etwas damals schon gemacht hätte.

03Drittes Kapitel · 1995–heute

Annelies. Wenig ändert sich. Manches bleibt.

Annelies Imboden-Truffer übernahm das Haus von ihrem Vater Hans. Sie hat in Lausanne und Florenz Hotellerie studiert, ist nach zehn Jahren in Zürich zurückgekehrt. Sie hat manches geändert, die Bäder modernisiert, die Heizung erneuert, ein leichteres Frühstück eingeführt. Vieles bewusst nicht: die Stuben, das Brot, die Stille.

Sie kocht sonntags selbst. Das Hausbuch wird weitergeführt. Die nächste Generation, Annelies' Tochter Lea, lernt zur Zeit Köchin im Restaurant Walliser Stube in Brig. Wer weiss.

Wir hoffen, das genügt fürs Erste.

Mit Gruss aus der Stube